Windows: Drive Snapshot und eine vermeintlich intakte Festplatte

Ein Kunde brachte seinen betagten Server zu uns, da dieser nicht mehr bootete. Neben einer eindeutigen Meldung vom RAID-Controller, das eine Festplatte an einem bestimmten Port ausgewechselt werden sollte kamen bei näherer Betrachtung weitere Punkte hinzu.

Der Server ist mit vier Festplatte zu je zwei RAID-1 bestückt. Der Kunde merkte zudem an, das er monatlich “chkdsk <LW:> /R laufen lässt, ohne das es bislang zu Fehlern gekommen sei.

Alle Platten wurden ausgebaut und an einem Werkstatt-Computer zunächst mittels CrystalDiskInfo überprüft. Dabei zeigten drei von vier Festplatten bereits S.M.A.R.T.-Warnungen an. Die vierte Festplatte sei angeblich in Ordnung. Interessanterweise, neben dem Umstand das der RAID-Controller die bereits eindeutig fehlerhaften Festplatten nicht monierte, war das ausgerechnet die vierte angeblich intakte Festplatte diejenige ist die beim Booten seitens des RAID-Controllers mit Port-Fehler “angemeckert” wurde.

Jedenfalls wurde von allen Festplatten mit Drive Snapshot eine Sicherung erstellt. Bei den Dreien mit den S.M.A.R.T.-Warnungen lief das ohne weiteres durch, es wurden keine fehlerhaften Sektoren im belegtem Speicherbereich erkannt. Bei der Vierten angeblich intakten Festplatte klappte die Sicherung zwar ebenfalls, allerdings fand sich im Protokoll folgendes:

20:02:20 2 sectors need more than 200ms to read
20:02:20 8 sectors need more than 100ms to read

So ganz in Ordnung ist also doch nicht. Lange Rede, kurzer Sinn: Alle Festplatten wurden ausgetauscht, die RAIDs neu aufgebaut und die Daten wiederhergestellt.

Schön zu sehen, einmal mehr, das Drive Snapshot auch in solchen Situationen nützliche Informationen liefert und einen dabei unterstützt herauszufinden was ggf. mit einer Festplatte los ist.

6 Kommentare

  • Pingback: The good & the bad with S.M.A.R.T. – Andy's Blog

  • Das einige Sektoren mehr als 100 / 200 ms zum Lesen brauchten habe ich bei mir ebenfalls regelmäßig im Log meiner täglichen Sicherung. Mal mehrere Einträge, an anderen Tagen auch mal gar keine.
    Diese Meldungen hatte ich allerdings von Anfang an auf meinem damals *neuen* Server, der zwei HDD’s als Raid1 betreibt. Fand ich schon immer beunruhigend, aber seit 2 Jahren läuft das System bisher ohne Probleme. %-)

    Vielleicht gibt es ja noch eine andere Erklärung für diese Meldungen von Drive Snapshot als sich ankündigende Hardware-Defekte…

  • Eine grundsätzliche Frage zu Drive Snapshot oder robocopy:
    Bei einem laufenden System wird meines Wissens ständig die Festplatte gelesen und beschrieben; auch dann, wenn wenn keine Anwendungen (bis auf Drive Snapshot oder robocopy) aktiv sind.
    Kann es sein, daß
    Wenn jetzt vom laufende System ein Abbild erstellt wird könnten doch ein inkonsistendes Abbild eintstehen oder wird dies von Drive Snapshot und robocopy berücksichtigt?

  • Dafür gibt es die Funktion der Schattenkopien (VSS) oder im Falle von Drive Snapshot hat man die Wahl entweder den integrierten Treiber oder VSS zu verwenden um ein konsistentes Abbild zu erstellen:

    Wikipedia – Volume Shadow Copy Service
    Drive Snapshot – VSS Volume Shadow Copy Service
    Windows: VSS-Fehler mit Drive Snapshot vermeiden

    Robocopy an sich kann kein VSS o.ä. das muss man mit weiteren Befehlen oder Tools dann umsetzen, siehe:

    Windows: Robocopy mit VSS (Schattenkopie)
    Windows: Kommandozeilen-Tools für das Erstellen und Nutzen von Schattenkopien

  • Könnte man denn nicht auf einen USB-Stick linux-Knopix installieren,
    den Rechner mit dem installierten Linux-Knopix hochlaufen lassen,
    dann mit den Linux-Comand “dd” eine gesamte Partition oder die gesamte Festplatte clonen.
    Auf diese Art könnte man doch das Problem, daß ein inkonsistendes Abbild beim Kopieren entsteht umgehen, VSS könnte man sich sparen.
    Spricht da was dagegen?

  • Klar, kann auch so machen. Das geht dann nicht im laufenden Betrieb (relevant wenn es um ein Backup geht). Extra Knoppix installieren braucht man nicht. Mit Ventoy den Stick bootfähig machen und ein Live-Linux.iso drauf kopiert. Geht natürlich auch mit WinPE-basierten Systemen wie heiße c’t Notfall-Windows und Co.

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