“Clearingstelle Urheberrecht im Internet” (CUII) und die Internet-Anbieter bringen DNS-Sperren

Seit ein paar Tagen bzw. Wochen geistert einmal mehr durchs Netz das leidige Thema mit Netz-Sperren bzw. -Filtern wegen Streaming-Seiten und Urheberrechtsverletzungen.

Nicht das wir uns falsch verstehen, Kunstschaffende, Kreative, alle die mit einem solchen Prozess, der Herstellung und dem Vertrieb zu tun haben und eben Urheber an sich müssen von etwas leben und sollen für ihre geleistete Arbeit ihr Geld verdienen. Das ist soweit klar.

Konkret geht es aktuell um die Clearingstelle Urheberrecht im Internet (CUII) und das alle großen deutschen Internet-Zugangsanbieter da “einfach so” mit machen. Die Rechtslage ist allerdings durchaus Dünn und interessanterweise gibt es dieses Mal leider keinen so großen Aufschrei wie in der Vergangenheit bei ähnlichen Initiativen.

Hier mal ein paar Links zum Thema:

heise online – Urheberrechtsverletzungen auf Streaming-Sites: Neuer Anlauf für DNS-Sperren

netzpolitik.org – Die CUII-Initiative – private Netzsperren ohne Gerichtsbeschluss

Und wer’s in Form von Videos und ggf. etwas humoristisch aufbereitet haben möchte:

YouTube – WICHTIG! Gefahr ⚠️ für ein freies Internet – Clearingstelle Urheberrecht sperrt Webseiten! (Kanzlei WBS – RA Christian Solmecke)

YouTube – Die dunkle Macht der geheimen Internet-Polizei | WALULIS STORY

DNS-Sperren, ernsthaft? Genau genommen eine Umleitung zu notice.cuii.info statt zur eigentlich angefragten Seite. Ich frage mich, wen das aufhalten soll? DNS-Filter sind nun mal dermaßen leicht zu Umgehen, reicht es doch aus, auf dem Computer oder im Router einen anderen DNS-Server einzutragen. Bestenfalls würden diese Filter den simpelsten Anwender abhalten, und selbst die Googlen kurz und bekommen zig Lösungswege Schritt-für-Schritt samt Bilder aufgezeigt. Eine wirkliche Lösung ist das (imho) nicht.

Die Frage lautet doch eher, warum solche Portale überhaupt (noch) genutzt werden? Geht es allen Nutzern wirklich um einen Kampf gegen die “Content-Mafia”? Ich glaube (und hoffe) eher nicht. Schätzungsweise geht es einfach “nur ums liebe Geld”. Überfliegt man gerade in Corona-Zeiten die Situation, haben viele Menschen mit Einkommenseinbußen bis hin zum Totalausfall zu kämpfen, hinzu kommt das Kinos geschlossen sind.

Möchte man dennoch auf Serien- und Film-Vergnügen und die aktuellen Blockbuster nicht verzichten bieten sich die legalen Streamingdienste wie Netflix, Amazon und Co. an. Jetzt hat allerdings nicht jeder die Möglichkeit, über seinen Internetanbieter gleich mehrere solcher Dienste relativ günstig zu bekommen, gemeint sind entsprechende Tarife die ein entsprechendes Streaming-Angebot beinhalten.

Schließt man nun für alle möglichen bzw. gewünschten Anbieter ein eigenes Abo ab, geht das sehr schnell und ziemlich ordentlich ins Geld, hinzu kommt bei so manchen Anbieter nach wie vor der Punkt mit Mindest-Vertragslaufzeiten von 12 bis 24 Monaten + diese “Scherze” mit zu Beginn bis Monat X bezahlt man Betrag Y, aber danach wird es teurer. Als weiteres kommen dann zusätzliche Spartenkanäle oder extra Kosten für bestimmte aktuelle Filme hinzu. Also quasi Grundgebühr + Zusatz-Gebühr für Sport, Top-Filme, usw. So wird es dann langsam aber sicher undurchsichtig und leider auch noch teurer. Ein Schelm, wer böses dabei denkt und meint, das könnte ein Teil des Geschäftsmodells sein. Das kommt so jemanden wie mir aus der IT irgendwie in Sachen Lizenzen von diversen großen Herstellern bekannt vor.

Ich sehe da durchaus parallelen zur Musik-Industrie, hat man dort ebenfalls jahrelang versucht das Problem rechtlich wie technisch in den Griff zu bekommen und das brachte solche Blüten wie Abmahn-Anwälte und DRM hervor. Letztlich effektiv hat sich erst etwas geändert, nachdem durch Apple’s iTunes sowie weitere Anbieter und Musik-Streaming die Preise und die Nutzung so gestaltet waren, das sich eine Raubkopie schlichtweg nicht mehr lohnt. Da wird sich heute schätzungsweise niemand mehr ernsthaft über Kosten beklagen, oder? Wenn ich daran denke, wie viel Geld ich früher in der Pre-MP3-Ära wöchentlich im CD- und vor allem im Plattenladen gelassen habe und mir die heutigen Preise ansehe, au Backe, dafür hätte es auch mindestens einen ordentlichen Neuwagen gegeben. Ich habe es allerdings gerne getan und hatte sowie habe immer noch etwas davon!

Zurück zum Punkt: Jetzt gibt es also mal wieder irgendwie geartete Netz-Filter. Was kommt als nächstes? Wird YouTube & Co. gesperrt, da man dort trotz aller Bemühungen ebenfalls (vermeintlich) urheberrechts-geschütztes Material findet und sogar mittels Tools oder Online-Dienste herunterladen kann?! Was ist eigentlich mit Kollateral-Schäden, sprich den Inhalten die nicht illegal sind und dann trotzdem der Zugriff darauf verweigert wird? Oder beanstandet man auch unbequeme Inhalte die einem sozusagen nicht in den Kram passen? Wem nützt das Ganze überhaupt? Nur einmal mehr den Großen?

Die eigentliche Frage ist nun nicht mehr wo so etwas anfängt, denn das hat es leider schon, sondern wo es hinführt. Nach einem ersten Schritt kommt für gewöhnlich der Zweite und Weitere. Nein, das ist jetzt kein Abgesang auf ein freies Internet. Die Zugangsanbieter allerdings mit rein zu ziehen ist meiner Meinung nach der falsche Weg, erschreckend ist dieses Mal, das sie “einfach mitziehen”. Und wenn wir eines aus der Geschichte gelernt haben sollten, dann das Mitläufer niemals gut sind.

Ursachen statt Symptome Bekämpfen wäre eher angesagt. Das die Preise für Kino-Tickets in der Pre-Corona-Ära und am Beispiel von Netflix für’s monatliche Abo immer weiter nach oben gingen (Kino) oder immer noch gehen (Streaming-Anbieter, ernsthaft, gerade jetzt in der Pandemie als Krisen-Gewinner eine Preiserhöhung?!”) wird gerne seitens der Film-Industrie und der Kino-Betreiber auf die bösen bösen Raubkopierer geschoben. Das scheint mir allerdings nur ein Teil der Geschichte zu sein.

Ich bin ja durchaus ein großer Film-, Serien- und Kino-Fan. Es hat Zeiten gegeben, da ging man zwei bis drei pro Woche ins Kino! Aaaber: Die Filme wurden zwar tricktechnisch immer besser, allerdings die Stories entwickelten sich dafür weniger gut, hinzu kam dann eben die Preis-Entwicklung. Also “geh’ mal ins Kino” bedeutet ja nicht nur den Ticket-Preis an sich, sondern zusätzlich Parkgebühren, Popcorn + Getränk, zuletzt nicht gerade ein günstiges Vergnügen mehr, leider. Das und als weiteres ein Teil des Publikums die schlichtweg nicht dazu in der Lage sind ihre Smartphones im Kino auszuschalten oder über die Länge des Films einfach mal die Schnauze zu halten (Sorry für diese Ausdruckweise, aber so etwas nervt gewaltig), vermiesen einem den Spaß. Zusätzlich dann noch einiges an Werbung vor dem Film (Ich meine damit nicht die Vorschau!) und on-top Taschendurchsuchungen beim Eintritt ins Kino sowie die “dezenten” Hinweise von Personal und auf der Leinwand, das Abfilmen böse ist (Hallo, ich bin hier, habe bezahlt und möchte einfach nur den Film schauen!) + die Überwachung im Kinosaal durch Kameras und Security mit Nachtsichtgeräten (!) erwecken keinen guten Eindruck. Der zahlende ordentliche Kunde unter Generalverdacht. Dankeschön!

Schaut man sich zudem an, was für Gagen und Budgets gerade in Hollywood existieren ist nachvollziehbar, das ein Film (oder eine Serie) entsprechende Einspielergebnisse bringen muss, um Kostendeckend zu sein. Allerdings lässt sich ebenso qualitativ ebenwertig, dafür wiederum sehr viel günstiger woanders produzieren. Tolle Schauplätze und gute Darsteller gibt es nicht nur in den USA, gleiches gilt für Kameraleute, Effektspezialisten und vieles andere mehr.

Ein gewisser Wandel ist da, unglücklicherweise ebenso eine Wiederholung, sprich das die einstigen Rebellen sich gleich oder ähnlich wie die Alteingesessenen entwickeln. Da fragt man sich ob Größe oder Marktstellung sowas automatisch mit sich bringen. Letztlich, so glaube ich, würde eine einfachere Preisstruktur bei den Anbietern und günstigere Kosten bei den Film- und Fernsehschaffenden solchen nahezu unwirksamen Blödsinn wie DNS-Sperren überflüssig machen.

Gänzlich wird man sämtliche möglichen Formen von Urheberrechtsverletzungen niemals los werden können. Das sich so mancher Nutzer bewusst aus oben genannten Gründen dafür entscheidet lässt sich allerdings schon beeinflussen und bestimmt mit weniger “drastischen” Mitteln wie Netz-Filtern, die durchaus missbraucht werden können, Drohgebärden (Wie war das doch gleich bei diesen Werbespots mit soviel Jahren Gefängnis?!) und Überwachung erreichen.

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