KVM over IP – PiKVM als Bausatz

Längst kein Unbekannter mehr ist PiKVM, mit dessen Hilfe man einen Raspberry Pi zusammen mit ein wenig Equipment bzw. Peripherie für KVM-over-IP-Switch nutzen kann.

Jedenfalls für Systeme die kein BMC mit entsprechender KVM-over-IP-Funktionalität besitzen ist PiKVM eine tolle Möglichkeit diese ohne TeamViewer, pcvisit und Co. remote verwalten zu können. Mehr noch: Dank der Option selbst den Power- und Reset-Button durch zu schleifen, kann man entsprechend das System Einschalten oder Zurücksetzen. Ein Zugriff auf das BIOS ist ebenfalls möglich, da PiKVM im Gegensatz zu den genannten Fernwartungs-Tools nicht vom installierten Betriebssystem abhängig ist.

Idealerweise verwendet man den aktuellen Raspberry Pi 4 Model B zusammen mit dem PiKVM-HAT. Damit man nicht alle benötigten Teile selbst zusammensuchen muss bietet es sich an einen entsprechenden Bausatz bzw. ein Kit zu erwerben. Leider sind diese immer wieder ausverkauft oder nicht lieferbar. So erging es mir mehrmals in der Vergangenheit und so wurde das Thema immer wieder vertagt. Trotz Mitteilung, z.B. bei Welectron, das wieder etwas lieferbar wäre hatte ich immer wieder das Pech, das selbst Minuten nachdem die Mail empfangen wurde das Kit erneut vergriffen war.

Nachdem mir in jüngster Zeit durch diverse Service-Fälle in der Werkstatt dann erneut die Notwendigkeit einer KVM-over-IP-Lösung deutlich wurde, musste Abhilfe geschaffen werden. Die Bestand darin, ein Kit eines anderen Anbieters, das zu diesem Zeitpunkt lieferbar war, zu verwenden. Die Wahl fiel dabei auf das Geekworm PiKVM-A3 Kit for Raspberry Pi 4 (gibt es beispielsweise bei Amazon, kein Partnerlink). Der Raspberry Pi 4, passendes Netzteil und Speicherkarte muss man extra bzw. anderweitig besorgen.

Der Bausatz ist schnell montiert, hilfreich ist dabei folgendes YouTube-Video:

How to DIY Your IP-KVM Via PiKVM-A3 for Raspberry Pi 4 Open-source KVM Over IP?

Sowie die Wiki-Seite des Herstellers:

https://wiki.geekworm.com/PiKVM

Man möchte sagen wie bei großen schwedischen Möbelhaus bleibt (immer) etwas übrig:

Vermutlich werden diese Teile benötigt, wenn man einen anderen RasPi verwendet. Final montiert und angeschlossen sieht das Kit dann so aus:

Danach bespielt man die Speicherkarte mit dem PiKVM-Image und schon kann es losgehen:

Als einer der ersten Schritte bietet es sich an, das Display des Kits zu aktivieren:

Via ssh oder direkt vom Web-Interface aus nach einem Klick auf “Terminal” folgende Befehle ausführen:

su root
rw
systemctl enable --now kvmd-oled 
ro

Im Display selbst kann man die aktuelle IP-Adresse sowie Parameter wie Temperatur, Laufzeit und Auslastung ablesen:

Die weitere Handhabung ist einfach: Den PiKVM via HDMI und ggf. Adapter am PC, Notebook, etc. anschließen. Ebenso das OTG-USB-Kabel für Maus und Tastatur verbinden und schon kann man über das Web-Interface den Computer fernsteuern:

Hilfreich ist zudem das man copy & paste von Tastatureingaben über den Menüpunkt “Text” im Web-Interface machen kann. So lassen sich beispielsweise Befehle oder komplexe Kennwörter für die Anmeldung übertragen.

Mögliche Einschränkungen gibt es bei Notebooks, die nicht von sich aus ab dem Einschalten die Ausgabe über einen externen Monitor zur Verfügung stellen, ein BIOS-Zugriff ist so leider nicht möglich.

PiKVM ist eine feine Sache, mir persönlich hat es in der kurzen Zeit wo es im Haus und in der Werkstatt im Einsatz ist bereits gute Dienste geleistet. Bislang nicht getestet habe ich die ATX-Steuerung (Power On, Reset) sowie die Nutzung von virtuellen Medien (man kann Images auf den PiKVM laden und diese dem Ziel-System zur Verfügung stellen). Sobald es dazu mal Gelegenheit gibt reiche ich ein Update nach.

  • Moin Andy, cooler Artikel!

    Bei mir habe ich 2 PiKVM Kits seit 3 Monaten im Testbetrieb beim Kunden. Da kann man sich so manche Fahrt sparen.

    Ich habe das ganze mit dem HighPi PiKVM v3 HAT realisiert. Einen schicken Transportkoffer bei Amazon bestellt und alle möglichen Kabel dazu gelegt sowie eine Anleitung mit großen und vielen Bildern wie man den anschließt und um sicher zu gehen, dass jeder das wirklich schafft, sind Kabel und Anschlüsse farblich markiert 🙂

    Nur mit den virtuellen Medien hat bei mir nicht funktioniert. Letztlich habe ich einen USB-Stick mit einem Windows Image mit in die Box gelegt. Ich glaub das Problem war die maximale Größe, die solche virtuellen Medien haben dürfen.

    Damit ich immer mit dem PiKVM connecten kann, nutze ich TailScale.

    Mit einem KVM Switch für HDMI/USB der auch ein Webinterface zum umschalten hat, könnte man damit sogar auf mehrere Server zugreifen. Da spart man sich die KVM Konsole im Serverrack und hat einen Fernzugriff via VPN.

    Die aktuellen Lieferengpässe haben bei mir aber auch dazu geführt, dass ich das Projekt nicht weiter ausweiten konnte.

    Bisher ist mir noch kein Gerät vorgekommen, welches nicht kompatibel war mit dem PiKVM.

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