Linux: Daten von fehlerhaften Festplatte retten

Ein Nachbar brachte einen betagten Windows XP-PC vorbei, auf dem sich das Rechnungsprogramm samt Firmendaten befanden. Der PC startete nur noch mit Glück, blieb meist an irgendeiner beliebigen Stelle hängen.

Nach dem Öffnen des Gehäuses stellte sich heraus, das zwei Festplatten verbaut waren. Die eine mit Windows und Co. drauf war in Ordnung, die Zweite hingegen wurde wenn überhaupt nur gelegentlich erkannt. Sie ist bzw. war auch der Grund, warum der Computer nicht mehr starten mochte. An diesem Punkt sei erwähnt, das es sich noch um IDE-Festplatten handelt und diese am gleichen Anschluss (Master-Slave) verbunden sind.

Via USB-IDE-Adapter wurde die fehlerhafte Festplatte an unserem Werkstatt-Computer nicht erkannt, die Geräusche verhiesen darüber hinaus nichts Gutes. Erst an einem weiteren PC, der noch einen IDE-Anschluss hat, klappte die Erkennung. Da Windows automatisch versucht ein Laufwerk einzuhängen, was in diesem Fall aufgrund der Defekte nicht erfolgreich funktioniert, wurde der PC mit PartedMagic gestartet.

Im Anschluss ging es via Terminal weiter:

Zunächst musste ermittelt werden, unter welchem Gerätenamen die Festplatte erkannt wurde:

fdisk -l

Da wir in eine Datei auf einer USB-Festplatte sichern, musste diese zunächst eingehängt werden:

mkdir /mnt/USB-HDD
mount /dev/sdXX /mnt/USB-HDD

Nun in das Zielverzeichnis wechseln:

cd /mnt/USB-HDD/Backup

Das Erstellen einer RAW-Kopie, die später weiter verwendet werden kann, wird mit Ddrescue (GNU-Seite, Wikipedia) erstellt:

ddrescue /dev/sdXX RAW.img RAW-log.txt

Dabei handelt es sich um den einfachsten Aufruf des Programms (siehe Wikipedia). Damit hatten wir leider kein Glück, da immer bei Erreichen eines bestimmten Punktes der PC unvermittelt neu startete. Eine verwertbare Kopie erhielten wir erst mit Parameter „-n“. Das Neustart-Problem konnte damit zwar nicht behoben werden, aber wenigstens gab es nun eine Datei, die eingehängt werden konnte.

Unter Windows kann die RAW-Kopie mit OSFMount eingehängt und weiter bearbeitet werden. Die Kopie war soweit in Takt, das sich die darin befindliche Partition ohne weiteres verwenden lies und die Daten via Explorer kopiert werden konnten.

Update 21.11.2015

Kleine Ergänzung am Rande: Einzelne Partitionen kann man mit

ddrescue /dev/sda1 sda1.img sda1.log

sichern. Möchte man dieses Abbild dann unter Windows mittels OSFMount einhängen, so geht das (leider) nur schreibend. Bei read-only zeigt Windows lediglich einen Laufwerksbuchstaben und gestattet keinen Zugriff.

Update 14.01.2018

Was ggf. hilft, wenn gleich zu Beginn eines Datenträgers Fehler auftreten ist das rückwärtige Auslesen:

ddrescue /dev/sda1 sda1.img sda1.log -n -R

Statt „-R“ kann auch „–reverse“ verwendet werden.

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