Timecode-CDs und CD-Player – Ein Erfahrungsbericht

CD-70DJ Touch DVS Tja, es ist nicht so einfach, wie ich es erwartet habe. Man sollte meinen, Timecode-CDs und CD-Player funktioniert so einfach, wie es mit dem Pendant Timecode-Vinyl und Plattenspieler ist. Aber weit gefehlt. Wirklich hilfreiche Informationen zur Orientierung habe ich im Netz leider auch keine gefunden. So fing ich an, ein wenig zu testen.

Hier folgen nun meine Erfahrungen der letzte Tage und ein paar Infos, die ich im Netz gefunden habe als auch Auskünfte von Leuten, mit denen ich gesprochen habe.

 

Meine Testumgebung, mal abgesehen vom Notebook, ist/war:

Pioneer CDJ-100S

Gemini CDJ-600

Monacor / IMG Stage Line CD-70DJ

Als Software kam sowohl Mixxx mit der Serato Timecode-CD, als auch Touch DVS mit der dazugehörigen Timecode-CD zum Einsatz.

Ich versuchte auch die Frage zu Klären, in wie weit der sogenannte Scratch- oder Vinyl-Mode von Bedeutung ist für diese Geräteklasse.

Unterschiede zwischen den Modi

Der Search-Mode, der typisch für DJ CD-Player ist, bezeichnet den Modus, in dem man den Startpunkt eines Songs, den sogenannten Cue-Punkt sucht und setzt. In der Regel geschieht Dies, wenn ein Song gestartet und dann auf Pause gesetzt wird und dann mit dem Joghweel oder den Search-Tasten der gewünschte Anfang des Songs gesucht wird und mit einem Druck auf die Cue-Taste gesetzt wird. Typischerweise klingt das dann in etwa wie ein Stottern, da eine CD in Frames, kleine Teile, aufgeteilt ist.

Im Scratch- oder Vinyl-Mode werden die Daten von der CD durch einen DSP (Digital Signal Processor) anders interpretiert, wodurch sich dann eher ein Handling wie bei Vinyl und einem Plattenspieler ergibt. Das Problem hierbei ist, das nicht bei jedem CD-Player der Scratch-/Vinyl-Mode während der Pause verfügbar ist und so dann das Cue-Punkt setzen im Search-Mode notwendig ist. Der Scratch- oder Vinyl-Mode ist dann nur während der Wiedergabe verfügbar.

Hinweis: Search- und CD-Mode entspricht dem gleichen Modus.

Pioneer CDJ-100S

Dieser Player arbeitet nur im Search-Mode, d.h. man kann den Cue-Punkt nur in diesem Modus suchen und setzen. Für das klassische CD-DJing genügt dieser Player voll und ganz. Aber Vorsicht! Die ältere Generation dieser Player, so auch das Gerät im Testfeld, hat einen Bug, der sich durch einen sogenannten Skip (kurzer Aussetzer) kurz nach Beginn der Wiedergabe äußert. Bei einer normalen Audio-CD tritt oder fällt das nicht auf, aber bei Timecode-CDs kann man das sehr gut beobachten. Ab welchem Jahr dieser Bug entfernt ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Gemini CDJ-600

Irgendwie hatte ich bei diesem Gerät kein Glück. Das erste Gerät das hier eintraf hatte einen Transport-Schaden. Es wurden keine CDs erkannt, das Jogwheel ratterte, im Display waren Aussetzer. Also rundum hinüber kann man sagen. Nur die Wiedergabe vom USB-Stick funktionierte. Also erst mal reklamiert. Das Ersatzgerät funktionierte dann und förderte zu Tage, das dieser Player den Scratch-Mode nicht bei der Pause beherrscht. Generell hatte ich den Eindruck, dass das Jogwheel eher ungenau ist (auch mit Audio-CD und MP3s vom USB-Stick). Ferner konnte ich die jeweilige Software nicht dazu bewegen mit diesem Player richtig zu arbeiten, ganz gleich, welchen Pegel, welche Phasen-Drehung oder sonst was man einstellte. Die Songs liefen immer nur vorwärts. Scratchen war dadurch auch nicht möglich. Durch den Kaltgeräte-Anschluss ergab sich in Verbindung mit dem Notebook eine Brummschleife.

Nicht das man mich jetzt falsch versteht. Der Player ist wirklich nicht schlecht, aber zumindest mit meinen DJ-Programmen absolut inkompatibel. Evtl. hat jemand mit diesem Gerät andere Erfahrungen. Wenn dem so ist, bitte bei mir melden.

Monacor / IMG Stage Line CD-70DJ

Die absolute Überraschung im Test war dann der CD-70DJ von Monacor bzw. IMG Stage Line. Der günstigste der getesteten Player funktionierte nahezu auf Anhieb. In Touch DVS musste nur “Invert Phase” zusätzlich zum Eingangspegel eingestellt werden. Der Scratch-Mode funktioniert während der Pause und  auch während der Wiedergabe. Loop-Sampler und drei verschiedene Cue-Punkte, als auch Reverse-Playback funktionierten ebenso. Hier ergeben sich schöne Spielmöglichkeiten.

Übrigens bin ich durch dieses Video von Vossi darauf aufmerksam geworden, das dieser Player den Scratch-Mode während der Pause beherrscht. Wer sich nun das Video ansieht, darf sich nicht wundern. Diese Funktionalität wird nicht beschrieben. Ich habe das Beobachtet, so bei Minute 9. Da ging es allerdings um den CD-70USB. Der Unterschied zwischen den Geräten ist das Wiedergabe-Medium (USB bzw. CD).

Soviel zu meinen persönlichen Erfahrungen. Ich habe im Mixxx-Forum diesen Thread und bei Touch DVS diesen Thread eröffnet um weitere Erfahrungswerte zu sammeln. Zusätzlich habe ich bei verschiedenen Händlern nachgefragt. Dabei kam z.B. heraus, das die Kombination M-Audio Torq Conectiv und Pioneer CDJ-2000 auch sehr gut mit einander arbeitet. Vielen Dank an Christian für diese Info. In so manchem Forum habe ich gelesen, das Stanton und Denon CD-Player in der Regel auch gut arbeiten. Allerdings gibt es wohl dennoch Geräte von Denon, die Probleme machen.

Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, das es noch mehr Lösungen dort draußen gibt, die funktionieren. So bleibt mir an dieser Stelle nur zu sagen: Meldet euch!

Anmerkungen zu Timecode-CDs

Mir ist aufgefallen, das Touch DVS mit seiner Timecode-CD wesentlich schneller reagiert, wenn man auf Play drückt als das bei Mixxx und der Serato Timecode-CD der Fall ist. Auch bei niedrigster Latenz (1ms). Auf Nachfrage wurde die Vermutung bestätigt, das dieser Unterschied durch die Auflösung der Timecodes bedingt ist. Vielen Dank an Dan für diese Info.

Eine weitere Sache die mir aufgefallen ist, das Timecode-CDs unterschiedliche Pegel (Lautstärke) aufweisen. Das liegt daran, das jeder Player einen anderen Ausgangs-Pegel hat. Das konnte ich auch bei den verwendeten Geräten beobachten. Der Pioneer CDJ-100S und der Monacor / IMG Stage Line CD-70DJ haben den gleichen Ausgangs-Pegel. Der Gemini CDJ-600 dagegen war dann schon erheblich leiser. Die Pegel-Unterschiede kann man an der Soundkarte ausgleichen. Hier gilt auch wie bei jedem anderen Signal auch, nicht übersteuern, da sonst ungewollte Sprünge beim Abspielen auftreten. Für die Hersteller ist es oft nicht einfach, den Mittelweg zu finden. So liest man in den Foren oft, wenn es Probleme gibt, das man die Timecode-CD rippen soll, den Pegel anhebt und dann neu brennt. Ich habe die Pegel von Touch DVS, Serato und Virtual DJ mal verglichen. Sowohl bei Touch DVS als auch bei Serato liegt der Pegel in etwa bei –6dB. Virtual DJ unterscheidet zwischen Consumer- und Pro-Geräteklasse, entsprechend unterschiedlich fallen die Pegel der Timecode-CDs aus. Bei der Consumer-Geräteklasse liegt der Pegel bei 0dB und bei der Pro-Geräteklasse bei –12dB.

Ich hoffe dieser Beitrag hat ein wenig Licht ins Dunkel gebracht und kann dem einen oder anderen weiterhelfen.

3 thoughts on “Timecode-CDs und CD-Player – Ein Erfahrungsbericht

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