Schallplatten digitalisieren – Teil 1 – Hardware

Peter schrieb mich vor Monaten mit der interessanten Frage an, wie man Schallplatten digitalisieren könnte. Er habe eine umfangreiche Sammlung, die aus Platzgründen in der Garage lagert. Die Musik wird hingegen vermisst, von daher sollte diese wieder und vorallem leicht zugänglich gemacht werden.

Diesen Beitrag habe ich bereits vor Monaten angefangen zu Schreiben und bin leider erst jetzt dazu gekommen, das Thema weiter zu führen. Gut möglich, das mittlerweile Preise und Verfügbarkeit (gerade auch wegen Corona) sind verändert haben. Sorry an dieser Stelle auch an Peter, das es so lange gedauert hat.

Je nach Größe der Sammlung ist ein solches Unterfangen mit erheblichen allem voran zeitlichem Aufwand verbunden. Unmöglich ist es jedenfalls nicht und man entdeckt dabei so manches (Lieblings-)Stück erneut oder stellt auch mal fest, das man so manchen Titel gleich mehrfach besitzt, letzteres ist zumindest bei ein paar Mal so passiert. Manche Versionen, Alben und vieles mehr wurden bis heute zudem nicht in digitaler Form (wieder)veröffentlicht, von daher dient ein solches Vorhaben in gewissem Maße auch einer Archivierung für die Zukunft.

Da das Thema einigermaßen komplex sein kann, erschien es mir sinnvoll dieses in mehrere Teile zu zerlegen. Den Anfang macht dabei die Hardware, denn von ihr ist bereits einiges abhängig. Der zweite Teil widmet sich dann der Software.

Simples Überspielen ist mit wenigen günstigen Mitteln bereits möglich. Je nachdem wie das finale Ergebnis klingen soll und was man für einen Anspruch hat, als auch welchen Aufwand man betreiben möchte lohnt mitunter ein umfangreicherer Einstieg.

Der persönliche Anspruch sowie die Ausgangslage entscheidet darüber, was man gegebenenfalls noch an Hardware und Software benötigt, denn es gibt gleich mehrere mögliche Konstellationen.

Kleine Plattenspieler-Übersicht

Klassischer Plattenspieler – Riemen-Antrieb

Bei dieser Art wird der Plattenteller mittels eines Riemen mit dem Motor verbunden. Diese Art war meist üblich für den Durchschnitts-Hausgebrauch. Im professionellen Bereich gab es beispielsweise Geräte von Thorens, wie den TD 125MKII wie sie einst im Dorian Gray (Frankfurt Airport) zum Einsatz kamen.

Klassischer Plattenspieler – Direkt-Antrieb

Diese Antriebsform sollte in der Regel vorgezogen werden. Je nach Hersteller und Modell wird der Plattenteller direkt von einem Motor angetrieben oder ist sogar, wie beispielsweise beim Technics SL-1210MK2, ein Teil der Motors.

In Sachen Anlauf- und Stopverhalten sowie beim Gleichlauf (möglichst konstante Drehzahl, Quarzgesteuert) ist diese Antriebsart gegenüber dem Riemenantrieb im Vorteil.

Tonabnehmer

Neben dem Plattenspieler ansich spielt die Nadel bzw. das System, kurzum der Tonabnehmer, eine durchaus gewichtige Rolle. Welches System man verwendet hängt unter anderem vom Anwendungsfall ab. Ein DJ der nur klassisches Mixen betreibt ist in dieser Hinsicht weniger Anspruchsvoll als ein Turntablelist der alle möglichen Kunststücke vorführt. Auch ein „simples“ Abhören von Schallplatten kann von wenig bis extrem anspruchsvoll sein. Ich für meinen Teil habe seitdem ich als DJ Platten drehe auf Ortofon gesetzt. Im Regelfall sind bei Plattenspielern mitgelieferte Tonabnehmer nicht unbedingt der Bringer, so das ein Wechsel zu etwas besserem quasi schon Pflicht ist.

Vorverstärker (Phono-PreAmp, Entzerrer)

Beim klassischen Plattenspieler ohne integriertem Vorverstärker oder auch Entzerrer genannt kommt ein solch geringer Signalpegel raus, der direkt weder zum Anhören geschweige denn zum Aufnehmen geeignet ist. Bereits beim (Vor-)Verstärken des Ursprungsignals spielt die Qualität des Vorverstärkers eine Rolle. Preislich reicht die Spanne von um die 20,00 €, z.B. Millenium PHP 2 (Thomann 18,90 €) bis hin zu mehreren hundert Euro.

Software-Vorverstärker sind hingegen der Erfahrung nach absolut ungeeignet. Wenn überhaupt dann sind diese lediglich für DVS (Digital Vinyl System, Steuerung von DJ-Software mittels Timecode-Signal) tauglich.

Das Thema wurde im Dezember 2019 hier im Blog behandelt:

Günstige DJ-Soundkarte(n) mit Plattenspieler verbinden bzw. Vorverstärker nachrüsten

HiFi-Verstärker haben in der Regel einen Plattenspieler-Eingang, hinter dem sich wiederum ein Vorverstärker verbirgt. Gleiches gilt für viele Mischpulte.

Moderne direkt-angetriebene Plattenspieler mit Phono- und Line-Signalpegel sowie integrierter USB-Soundkarte

Anbei eine kleine Auswahl von einstiegs- bis mittelklasse Modellean aktuellen Plattenspielern:

Dual DTJ 301.1 USB (UVP 249,90 €, Straßenpreis um die 150,00 €)

Audio-Technica AT-LP120X (UVP 279,00 €, Straßenpreis um die 220,00 €)

Pioneer DJ PLX-500-K (UVP 349,0 €, Straßenpreis um die 299,00 €)

Mixars LTA bzw. STA (UVP 714,00 €, Straßenpreis 360,00 €)

Mitunter sind bei den genannten Geräten Tonabnehmer (Nadel/System) im Lieferumfang enthalten. In der Regel sollten wie bereits erwähnt bessere Varianten z.B. von Ortofon verwendet werden. Bei den genannten Plattenspielern ist der Wechsel dank des SME-Anschlusses keine große Sache und geht sowohl leicht sowie schnell von der Hand.

Nach oben hin sind allerdings keine Grenzen gesetzt. Jeder zusätzliche Euro macht sich beispielsweise in der Verarbeitung, dem Start-/Stop-Verhalten, dem Gleichlauf und dem Spiel von Lagern, Aufnahmen und weiterer Mechanik bemerkbar. In Sachen Preis/Leistung/Qualität kann es dann beispielsweise mit dem unverwüstlichen Klassiker Technics SL-1210, seit Anfang 2019 in der Auflage MK7, weitergehen, dieser ist allerdings analog pur, soll heißen: „Nur“ Phono-Signalpegel, keine integrierte USB-Soundkarte, kein Line-Pegel. Für einmaliges Überspielen sind höherwertige bzw. höherpreisige Geräte eventuell zuviel des Guten.

Die Schallplatten vorbereiten

Die zu überspielenden Schallplatten sollten selbstverständliche sauber und in möglichst gutem Zustand sein.

Selbst habe ich Schallplatten nie grossartig gewaschen oder Nass abgespielt, letzteres kenne es auch nur von meinem Vater und da auch nur vorm „Hörensagen“. Nachteilig war und ist beim Nass-Abspielen, das man dieses dann immer tun darf. Aus 25-jähriger DJ-Erfahrung kann ich zumindest für meine Sets und Setups sagen, das ein Reinigen mit der Schallplattenbürste meist ausgereicht hat. In seltenen Ausnahmefällen musste mal der eine oder andere Getränkespritzer weggeputzt werden oder anders ausgedrückt: Erdbeerlimes auf Vinyl kommt nicht gut, dieser Gast wurde durch die Security des Lokals vor die Tür gesetzt.

Verschmutzte Schallplatten sollte man mit eigenes dafür vorgesehenen Schallplattenbürsten reinigen und zwar vor dem Abspielen.

Anbei ein Beispiel für eine 45er vor (links) und nach (rechts) der Reinigung:

Hartnäckigere Verschmutzungen am einfachsten mit destilliertem Wasser oder einem schwachen Reinigungsmittel, z.B. günstiger Glasreiniger, in Verbindung mit einem Microfasertuch an den betroffenen Stellen vorsichtig reinigen.

Im Laufe des Abspielens sammelt sich gegebennenfalls (restlicher) Schmutz an der Nadel.

Diesen vorsichtig mit der Schallplattenbürste entfernen. Unter keinen Umständen mit dem Finger!

Anschlussbeispiele

Aufgrund der zuvor genannten Möglichkeiten bei den Plattenspielern ergibt sich eine Vielzahl an Anschlussmöglichkeiten.

Plattenspieler am HiFi-Verstärker

Der Klassiker im Hausgebrauch: Der Plattenspieler ist mit dem Hifi-Verstärker (PHONO) verbunden.

Von hier aus kann man schnell, einfach und günstig mit einem 3.5 mm-Klinkenstecker-auf-Cinch-Stecker-Kabel einen Computer anschließen.

Einfach am HiFi-Verstärker die Cinch-Seite des Kabels am „TAPE/REC OUT“ anschließen, auf der Computerseite mit dem Klinkenstecker in den Line-Eingang, meist in der Mitte, rein.

Notebooks haben in der Regel keinen Line-Eingang (mehr), so das in einem solchen Fall entweder auf eine USB-Soundkarte mit Line-Eingang oder einen Plattenspieler mit integrierter USB-Soundkarte zurückgegriffen werden kann.

Plattenspieler über den Phono-Eingang an einer entsprechenden USB-Soundkarte

Vor allem aber nicht ausschließlich mit dem Aufkommen von DVS (Digital Vinyl System) zum Steuern von DJ-Software mittels Timecode-Schallplatten kamen zudem einige USB-Soundkarten mit einem oder gleich mehreren Phono-Eingängen auf den Markt. Beispiele:

  • ESI U46DJ
  • American Audio Versaport
  • uvm.

Anbei mal ein älteres Bild von diversen Soundkarten:

Ebenso gibt es quasi eigens für das Überspielen von Schallplatten USB-Soundkarten, wie

Fun Generation UA-202 (Thomann, 19,00 €) oder

ART USB Phono Plus PS (92,00 €)

Hier reicht die Preis- und Qualitätsspanne von günstig bis nach oben hin offen.

Plattenspieler mit Line-Ausgang am HiFi-Verstärker oder Computer

Direkter finde ich persönlich besser, mal abgesehen davon das jeder Übergang, jeder zwischengeschaltete Gerät (z.B. Mischpult) das Signal beeinflusst, daher nach Möglichkeit den Plattenspieler direkt mit dem Computer verbinden.

Plattenspieler mit integrierter USB-Soundkarte direkt am Computer

Hier hat man, wenn man so möchte, schlicht keine andere Wahl. Direkter geht es nicht.

Plattenspieler über Mischpult

Je nach Plattenspieler wieder über Phono oder Line und dann geht’s über den REC-Ausgang, wie beim HiFi-Verstärker, Richtung Soundkarte weiter.

Nachteilig an dieser Variante kann sein, das viele Club-Mixer den Bassbereich anheben und so die Aufnahme verfälscht wird.

Brummen vermeiden oder los werden

Wichtig ist in jedem Fall den Plattenspieler, sofern dieser „nur“ einen Phono-Ausgang besitzt und nicht intern geerdet ist am Verstärker, Mischpult oder Soundkarte zu Erden. Dazu das Erdungskabel an der entsprechend dafür vorgesehen Schraubklemme anbringen.

Entsteht eine Brummschleife sobald das HiFi-Equipment mit dem Computer verbunden wurde, hilft in den allermeisten Fällen (wenn sonst nichts hilft) der Einsatz von galvanischen Trennern:

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