Wie viel Pech kann haben: Mehrere Netzwerkkabel und die Firewall der Maschinensteuerung kaputt

Aus der Rubrik “Wieviel Pech kann man haben” ein weiteres Kapitel: Ein Kunde meldete sich, das die Fernwartung bei einer seiner Maschinen nicht mehr funktioniert.

Maschine ist in diesem Kontext wörtlich zu nehmen, denn es handelt sich um einen TRUMPF Laser, bei diesem streikte die Kühlung und damit der Support danach schauen kann wird über eine sogenannte Telepräsenzbox eine Fernwartung mittels VPN durchgeführt. Das hatte in der Vergangenheit auch mal funktioniert. Laut dem zuständigen Maschinenbediener zuletzt vor zwei Jahren. Nun streikte das Ganze und die Frage war warum.

Der Kunde selbst hatte sich auf die Firewall, gemeint ist hier eine Securepoint UTM, sozusagen eingeschossen, die müsse Schuld sein. Generell hatte ich erstmal geschaut, ob hier neuerdings irgendetwas blockiert wird, aber es fand sich keinerlei Treffer im Log. Die Firewall-Regeln waren zudem nach wie vor stimmig für das entsprechende Netz. Ergo musste die Ursache eine andere sein.

Zu Erwähnen ist hier, das die TRUMPF Laser – der Kunde hat mehrere – nur bei Bedarf an das “Hallen-Netz” angeschlossen werden, ergo gibt es keine Überwachung ob die Maschinen online sind oder nicht.

Da die Unternehmens-Firewall als Übeltäter ausgeschlossen war wurde der Blick als nächstes auf den Switch in der Halle in der die Maschinen stehen gerichtet. Hier viel zuerst auf, das die Verbindung – gemeint ist der Uplink – immer mal wieder unterbrochen wird. Mit anderen Worten: Ich bin immer wieder aus dem Web-Interface rausgeflogen. Das war bis zu diesem Tag noch nie der Fall, zudem wird die Erreichbarkeit des Switches mittels Monitoring überwacht. Somit war klar, das da irgendwas physikalisches nicht mehr passt. Daher vor Ort gefahren und geschaut.

Der besagte Switch befindet sich in einem kleinen Netzwerkschrank der unter der Decke hängt, also erstmal rauf auf die Leiter und am Uplink-Kabel gewackelt und siehe da, ich hatte dieses unvermittelt in der Hand. Offenbar lösen sich die RJ45-Stecker auf, da der Kunststoff der Nase bereits weg war, der Rest sah auch nicht mehr so gut aus. Also dieses Kabel getauscht. Somit war der Switch wieder ordentlich Online. Als nächstes dann nach der Netzwerkverbindung der besagten Maschine geschaut. Der Port am Switch meldete, das ein Link vorhanden sei, aber sowohl der MAC-Table als auch ein Ping auf die Maschine offenbarte, das da keine wirkliche Verbindung ist.

Auch hier am Kabel gewackelt, das gleiche Spiel wie beim Uplink. Leitung defekt und diese getauscht. So weit, so gut, aber das war es immer noch nicht. Also führte der nächste Weg zur entsprechenden Netzwerkdose, hier zeigte sich, da nur Simplex, das die falsche Maschine angesteckt ist, also erstmal gewechselt. Das half aber auch nicht. Der besagte TRUMPF Laser blieb im Netzwerk stumm, trotz “Copper Link Up”. Die Netzwerkleitung von der Dose zur Maschine nachverfolgt und mal aus dem Industrie-PC (IPC) rausgezogen und in mein Notebook rein. Siehe da, da geht alles, ergo muss es am IPC liegen.

Über die Maschinen-Steuerung mal geschaut was da in Sachen IP-Konfiguration zu finden ist. Aber alles so, wie vor neun Jahren bzw. ab Werk es sein soll, sprich per DHCP. Die entsprechenden Tools meinten auch das eine IP aus dem “Hallen-Netz” vorhanden sei. Die Änderung auf eine manuelle IP-Konfiguration änderte nichts, sprich kein erfolgreicher Ping oder die mittlerweile sehnlichst benötigte Fernwartung.

Als nächstes wollte ich Wissen, ob der IPC mitbekommt ob das Netzwerkkabel gesteckt ist oder nicht. Also dieses wieder getrennt und siehe da, die Steuerung meint es sei noch verbunden. Unschönerweise wird das Netzwerkkabel von oben an eine Einsteckkarte (dazu gleich mehr) mit dem IPC verbunden, man sieht also nicht, ob die LEDs leuchten oder blinken. Viel Platz war in dem Schaltschrank auch nicht, also per Smartphone mal nach den Ports geschaut.

Hier zeigte sich, das obwohl kein Netzwerkkabel gesteckt ist, die LEDs des Ports leuchteten. Das kann und soll nicht sein.

Lage Rede, gar kein Sinn: Der genannten IPC, in diesem Fall von Beckhoff, hat einen eigenen VPN-Firewall-Router in Form einer Einsteckkarte, TRUMPF nennt diese Telepräsenzbox. Wie wir aus einer Mail des TRUMPF-Support herauslesen konnten arbeitet dieses Firewall im Stealth Mode, d.h. sie klont die MAC-Adresse des eigentlichen IPC und reicht den Traffic mehr oder weniger durch. Offenbar war diese Karte defekt, außer Link Up kam hier nichts mehr. Verband man den IPC direkt mit dem Hallen-Netz klappte der wechselseitige Ping.

Ersatzteile (besagte Karte und was für die Kühlung) und Service-Techniker war zwei Tage später da und seitdem läuft wieder alles.


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1 Kommentar

  1. Thorsten Reinert

    Problem kenne ich selbst. Ganz nach Murphy: Alles passiert immer und gleichzeitig.

    Gruß
    Thorsten

    PS: Deine Rechtschreibung ist heute grauenvoll. Aber was ich finde behalte ich für mich 🙂

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