Vor ein paar Monaten sorgte Spleeter des Streaming-Dienstes Squeezer für Furore, kann man dank AI (artificial intelligence, dt. KI, Künstliche Intelligenz) aus fertigen Songs Instrumental und Gesangsspuren erzeugen. Für Remixe und DJ-Spielerei wie Mashups eine feine Sache.

Am 18.06.2020 kam erst Algoriddim mit seiner iOS-App djay PRO AI raus. In dieser neuen Version der djay-App ist es ebenfalls dank AI möglich, Live in Echtzeit die einzelnen Elemente eines Songs, also Gesang, Instrumente, Bass, Drums zu separieren. Damit ist es möglich ohne Acapella und Instrumentals Live-Remixe, Mashups, etc. zu mixen. Allerdings steht die App nur für Apple iOS zur Verfügung, ferner funktioniert das Ganze nur auf neuerer Hardware mit Bionic-Chip.

Kurz darauf kam dann auch Atomix Productions mit VirtualDJ 2021 um die Ecke. Die bekannte DJ-Software läuft bekanntermaßen auf Windows sowie Mac und bietet nun ebenfalls die Möglichkeit mittels AI in Echtzeit die genannten Spielereien durchzuführen.

Hier mal die Original-Ankündigung:

"THE FUTURE OF DJING IS HERE NOW !
VirtualDJ 2021 uses advanced technology and the power of modern computers to revolutionize what DJs can do.

Introducing real-time stem separation on any track, making perfect live mashups and seamless transitions the new normal.

Like usual, the update to VirtualDJ 2021 is completely FREE.
Go to virtualdj.com/download to grab your copy today.

Enjoy !"

Quelle: VirtualDJ – Forum – Just released: VirtualDJ 2021

Also kurz mal die 2020er Version deinstalliert, vorher natürlich Datensicherung gemacht, und die 2021er Version installiert und mal kurz rumgespielt:

Wie man sieht kann man einfach über Pads pro Deck auswählen, welche Elemente eines Tracks hörbar sind. Nicht wundern, die verwendeten Tracks passen jetzt so oder so nicht wirklich zusammen, sie waren einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Damit es keinen Stress mit GEMA, GVL und Co. gibt verzichte ich an dieser Stelle auf eine Video- oder Audio-Demo.

Neben der real-time stem separation gibt es noch mehr zu entdecken. So wurde die Optik aufgefrischt und erfreulicherweise die Aufteilung bei der Nutzung von vier Decks wieder gleichmässig verteilt. In der vorigen Version gefiel mir diese überhaupt nicht, was mich beim Theme zum Wechsel zu einer älteren Version veranlasste.

Die EQs wurden ebenfalls erweitert, man kann nun zwischen verschiedenen Modi wählen:

Das klangliche Ergebnis der real-time stem separation ist noch nicht wirklich berauschend, aber dennoch erstaunlich was alles machbar ist. Bei Vocals lässt sich das durchaus mit Effekten noch relativ gut kaschieren. An die Qualität von Studio-Instrumentals und Acapellas kommt es noch nicht heran.

Ob das nun wirklich ein Game Changer ist, sei dahin gestellt. Luft nach oben in Sachen Qualität ist da auf jeden Fall. Persönlich betrachte ich das eine weitere Spielerei die man nutzen kann und einem noch mehr Möglichkeiten bietet. Selbst dieser kurze Test an einem Freitag-Abend auf dem Sofa ohne jedwedes DJ-Gear hat schonmal Laune gemacht.

Update 24.06.2020

Auf der Hersteller-Seite gibt’s ein kleines How To (Using Stems). Ebenfalls interessant ist ein kommendes Updates, das die Möglichkeit bietet vorab eine Analyse und STEM-Speicherung vorzunehmen, damit geht’s im Live-Betrieb dann schneller:

VirtualDJ – Forum – new Early Access build (b5949) with pre-computed stems