Audacity: Latenz von Lautsprecher messen

Für ASIO-Umgebungen wurde zum messen bereits vor langer Zeit das Tool CEntrance ASIO Latency Test Utility vorgestellt. Offenbar ist dieses nicht mehr verfügbar und es gibt andere Mittel und Wege die Latenz zu bestimmen. Relativ einfach lässt sich die Verzögerung mit dem Audio-Editor Audacity messen.

Benötigt wird neben dem zu messenden Lautsprecher, der idealerweise mittels Line (Kopfhörer-/Lautsprecherausgang, o.ä.) angeschlossen ist ein Mikrofon. Da es hier nicht um High End-Studioaufnahmen geht, reicht irgendwas günstiges aus. Wichtig ist das es direkt mit dem Mikrofon-Eingang der Soundkarte verbunden ist, es sollte also beispielsweise kein USB-Headset verwendet werden. Vor der eigentlichen Messung sollten die Pegel eingestellt werden, d.h. keine Übersteuerung und allzu laut muss es auch nicht sein.

  • Nun startet man Audacity, wählt ggf. die Ausgabe- und Aufnahmegeräte aus.
  • Man läd zunächst ein Soundschnipsel oder Musikstück in eine Spur. Idealerweise startet dieses direkt am Anfang ohne irgendeinen Vorspann, so ist es später einfacher die Verzögerungszeit zu bestimmen.
  • Fügt eine zweite Spur hinzu („Spur – Neu hinzufügen – Stereo-Spur“).
  • Hält das Mikrofon an den Lautsprecher und startet die Aufnahme.

Eine kurze Aufnahme von wenigen Sekunden reicht völlig aus. Zum bestimmen der Verzögerung setzt man in der „Auswahl Werkzeugleiste“  (oder auch Fuss- bzw. Statuszeile genannt) bei „Audioposition“ diese noch auf „hh:mm:ss + Millisekunden“:

Nun positioniert man die Wiedergabemarke auf den Beginn der Aufnahme. Die bei „Audioposition“ angezeigte Zeit stellt den Wert der Latenz dar.

Für den Test kamen folgende Geräte zum Einsatz:

  • SOL-EXPERT – Aktivbox für Smartphones und MP3 (Bausatz): 13 ms
  • Behringer Ultracoustic ACX 1000: 18 ms
  • Caliber HPG 407BT: 18 ms
  • Creative Inspire T10: 20 ms
  • Mackie FreePlay Home: 112 ms

Wie man sieht eine bunte Mischung an Lautsprechern, vom Bausatz (SOL-Expert), über einen Instrumentenverstärker (Behringer), eine Bluetooth-Röhre (Caliber), einen PC-Lautsprecher (Creative) bis hin zum portablen Bluetooth-Lautsprecher (Mackie) alles dabei. Speziell zu den Bluetooth-Geräten sei angemerkt, das diese wie alle anderen auch via Line verbunden waren. Über Bluetooth selbst gibt es weitere zusätzliche Latenzen, da macht die Messung (imho) keinen wirklichen Sinn. Ebenfalls beachten sollte man, das die erfassten Zeiten nur ungeführ sind. Bedenken sollte man zudem, das die Umwandlung von Digital-zu-Analog bei der Wiedergabe, sowie die umgekehrte Richtung, also Analog-zu-Digital für die Aufnahme ebenfalls etwas Zeit benötigt.

Richtig entschäuschend ist Mackie’s FreePlay Home in Sachen Verzögerungszeit. Hier zeigte sich mit deutlichem Abstand eine hohe Latenz vom Line In bis zur hörbaren Wiedergabe von 112 ms. Kurzum: Für Echtzeit (< 25 ms) viel zu lange. Schade. Für ein Gerät das gut 200 € kostet und noch dazu von einem Musikgeräte-Hersteller stammt erstaunlich ungut.

Zum direkten Vergleich anbei ein Screenshot mit allen Spuren der getesteten Geräte:

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