Windows: Dateityp zu einer Anwendung zuordnen

Die Windows-Bordmittel in der Einstellungen-App unter “Apps – Standard-Apps” sind… naja. Vor allem wenn man eine bestimmte Datei-Endung bzw. einen bestimmten Datei-Typ zuordnen möchte, “darf” man die gesamte Liste durchscrollen, es gibt kein Suchfeld in diesem Dialog. Der einfachere Weg besteht darin, eine entsprechende Datei mit der rechten Maustaste anzuklicken und aus “Öffnen mit” (sofern vorhanden) die gewünschte Anwendung auszuwählen oder mittels “Andere App auswählen” weiter zu verfahren.

Soviel zur Theorie. Wenn man einen (imho) besseren Blick auf die Zuordnungen werfen möchte empfiehlt sich einmal mehr ein Tool von Nir Sofer aka Nirsoft, dieses mal geht es um FileTypesMan:

Man kann einfach die Datei-Endung eintippen oder die Suchfunktion nutzen, man sieht die zuordnete Aktion(en) und kann über das Kontextmenü direkt zur passenden Stelle in der Registry springen, den Eintrag bearbeiten, uvm.

Wichtig zu Wissen ist allerdings, das FileTypesMan auf die Computer-bezogenen Dateityp-Zuordnungen zugreift. Pro Benutzer können allerdings eigene Einstellungen gesetzt sein, da hilft dieses Tool leider nicht.

Wie kam es zu diesem Beitrag? Ein kleiner Roman zum Wochenende.

Neulich testete ich die aktuellen Versionen von diversen Media-Playern. In der Regel nutze ich den VLC media player, wenn’s doch mal irgendwie im Getriebe knirscht muss auch mal was anderes herhalten. Selten, kommt aber mal vor. Mitunter stört mich allerdings, das der VLC media player durchaus einen Moment benötigt um zu starten.

Da fiel mir ein, das ich früher sehr gerne den Media Player Classic, kurz MPC, verwendet habe. Der ist zwar nicht hübsch, dafür flink und funktional. Allerdings wird das Original nicht mehr weiterentwickelt, siehe dazu den entsprechenden Wikipedia-Eintrag.

Also hüpfte ich erstmal zu meinen ebenfalls alten Bekannten MPC-HC (Media Player Classic – Home Cinema), dieser befindet sich laut Homepage allerdings im Maintenance-Mode, bekommt also nur noch Fehlerbehebungen. So führte der Weg weiter zum MPC-BE (Media Player Classic – Back Edition), dieser wird aktuell gepflegt und wie der Name vermuten lässt kommt dieser in schicken dunklen Farbtönen daher.

Also dieses Dingelchen installiert und erstmal Essig, es wird keine einzige Medien-Datei geöffnet, weder per Doppelklick, noch via Kontext-Menü und auch völlig egal wie oft man die Dateizuordnungen via Einstellungen (sowohl mit Windows-Bordmittel als auch aus dem Programm heraus) vornimmt, es klappt einfach nicht.

Die grundsätzliche Wiedergabe funktioniert, wenn man entweder direkt aus dem MPC-BE heraus eine Datei öffnet oder via Drag’n’Drop auf den Player zieht. Jetzt wollte ich natürlich Wissen, was da schief läuft. Da helfen die Bordmittel leider nicht wirklich weiter, daher dann der Griff zu FileTypesMan. Da dann allerdings ebenfalls Ernüchterung, denn beispielsweise bei “.mp3” sieht man bei “Actions” überhaupt nichts, es spielt dabei keine Rolle welcher Media-Player die aktuelle Standard-Anwendung für diesen Datei-Typ ist.

Daraus lässt sich (leider) schließen, das Microsoft da irgendetwas anders macht als anno dazumal. Denn dieser und weitere Datei-Typen sind mit einer “App”, ich vermute mal die Einstellungen-App, nicht zu verwechseln mit der “User Choice”, verknüpft. Man kann auch keine eigene Action (mehr) hinzufügen. Für den Moment bin ich etwas ratlos wie das zu lösen ist. Klar, die Probleme mit der richtigen Datei-Typ-Zuordnung hängen auch irgendwie am MPC-BE, das man nun nicht effektiv Nachsteuerung kann ist irgendwie unschön.

Update 18.05.2021

Ein paar kleinere Fehler beseitigt und den verschwundenen “Weiterlesen-Tag” wieder eingefügt. Rainer hat mir folgenden Link (Vielen Dank dafür!) zukommen lassen, der einiges bei der “Pro Benutzer”-Zuordnung in Sachen Dateityp aufklärt:

The Kolbicz Blog – SetUserFTA: UserChoice Hash defeated – Set File Type Associations per User or Group on Windows 8/10 and 2012/2016/2019

Daraus erstmal die Kurzfassung: Bei der Benutzer-bezogenen Dateityp-Zuordnung greift ein Mechanismus von Microsoft, das nicht direkt eine ausführbare Datei gestartet wird. Vielmehr ist die Zuordnung durch einen Hashwert geschützt. Der Hintergrund dazu ist wahrscheinlich dieser, das man so verhindern möchte, das eine Malware sich einklinkt. Zum anderen könnte man den Redmondern unterstellen das sie es so einem allerdings auch schwerer machen, die Zuordnung zu ändern (damit man bei den MS Standard-Apps bleibt). Der Beitrag von Christoph Kolbicz geht allerdings noch viel weiter. Lesen lohnt sich (für Admins)!

Kurzum: Möchte man per Skript , GPO, etc. die Benutzer-bezogene Dateityp-Zuordnung ändern, geht das über klassische Wege wie dem Ändern der Registry schlichtweg nicht mehr.

Christoph Kolbicz ist nun zu diesem Zweck hergegangen und hat mittels Reverse Engineering herausgefunden wie das Ganze funktioniert und mit diesen Erkenntnissen sein Tool SetUserFTA.exe entwickelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.