Exchange Server 2010: Fremde Datenbank einbinden – Geht das überhaupt?

Dieser Beitrag wurde durch eine Beobachtung bei einem Kunden eines Partners inspiriert. Der Kunde sichert seinen Windows Small Business Server 2011 Standard mit Tandberg Data’s AccuGuard Server for RDX (7.x). Es wird keine Vollsicherung („Alles-Plan“) durchgeführt, sondern es gibt lediglich einen Sicherungsplan für die Dateien und Ordner als auch einen Sicherungsplan für den Exchange Server. Dem aufmerksamen Leser respektive Admin wird bereits jetzt aufgefallen sein, das etwas wichtiges fehlt und zwar das Active Directory.

Da es oft der Fall ist, das ein Small Business Server der einzige Server im Netzwerk ist, fehlt eine (Backup-)Domänencontroller. Im schlimmsten Fall ist also das Active Directory samt der Benutzerkonto, Gruppen und entsprechender Sicherheitskennung verloren.

Bei Dateien und Ordner lässt sich das evtl. noch (halbwegs) verschmerzen, kann man den Besitz neu übernehmen und die Berechtigungen erneut setzen. Hilfreich ist in solchen Fällen eine (hoffentlich) vorhandene Dokumentation, was wie gesetzt war.

Bei den Exchange-Datenbanken für die Postfächer und die öffentliche Ordner sieht das evtl. schon ganz anders aus. Das Stichwort dazu lautet „Recovery Database“.

Zunächst aber noch mal einen Schritt zurück. Hat man mit einer solchen Datensicherung den Katastrophenfall, so beginnt das Wiederherstellungs-Szenario damit, das ein komplett neuer Windows Small Business Server 2011 Standard installiert werden muss. Das alleine kann durchaus ein bis drei Tage dauern. Dann lassen sich die Dateien und Ordner wiederherstellen und die Berechtigungen quasi reparieren. Für den Exchange sieht die Sache dann zunächst so aus, das die gesicherten Datenbanken zuerst an einen anderen Ort, z.B. „C:\Daten\Recovery“ wiederhergestellt werden müssen.

Im nächsten Schritt muss eine Recovery Database über die EMS (Exchange Management Shell) angelegt werden:

New-MailboxDatabase -Recovery -Name RecoveryDatabase -Server SERVERNAME -EdbFilePath "C:\Daten\Recovery\Mailbox Databse.edb" -LogFolderPath "C:\Daten\Recovery"

Die Datenbank muss in einen konsistenten Zustand gebracht werden:

eseutil /R e00 /d "C:\Daten\Recovery\Mailboxe Database.edb"

Anmerkung: Im Test kam es immer zu einem Fehler. Die Datenbank konnte aber im Anschluss eingebunden werden. Allerdings zeigt auch das einmal mehr (meiner Meinung nach), das der Tandberg Data AccuGuard Server for RDX nicht unbedingt optimal ist.

Exchange Server 2010 - eseutil - Recovery

Die „neue“ Datenbank erscheint nun in der Exchange Management Konsole und kann eingebunden werden. „Normalerweise“ kann man über die ESM Postfächer wiederherstellen. Es scheint allerdings, als habe man ab hier kein Glück mehr, denn versucht man die vorhandenen Postfächer in der Recovery Database anzuzeigen, gibt es schon nichts zu sehen. Der Befehl dazu lautet:

Get-Mailbox -Database RecoveryDatabase

Zurück kommt nichts.

Und versucht man ein (eigentlich) vorhandenes Postfach wiederherzustellen und sei es bei einem anderen Benutzerkonto, so erhält man die Meldung, das kein Postfach in der Recovery Database vorhanden ist.

Exchange Server 2010 - Restore-Mailbox

Kurzum: Es scheint nicht zu gehen. Im schlimmsten Fall wären die Daten verloren. In solch einem Moment möchte man nicht der Techniker sein, der das einem Kunden erklären muss, vor allem dann nicht, wenn ggf. ein Vertriebsmitarbeiter aus dem eigenen Haus dem Kunden eine „tolle Datensicherung“ verkauft hat.

P.S.: Falls jemand doch einen Weg kennt, raus damit!

Ein Kommentar

  • Hallo,
    leider ist das nicht so einfach möglich was mir auch unverständlich ist. Anscheinend will Microsoft auch nicht das man Exchange DB mit Windows Tools öffnen kann. Wir hatten einen solchen Fall mal mit einem Exchange 2003, die Lösung war eine Drittanbieter Software für 1200€ zu kaufen. In diesem Fall Kroll OnTrack, die Mails konnten so Alle wieder hergestellt werden, was tatsächlich auch recht einfach funktioniert bei den Kalendern gab es aber Probleme.

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